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08.03.2019, Offenbach

Vorsorgeuntersuchungen helfen die Krankheit frühzeitig zu erkennen

Ist Darmkrebs Schicksal?

Dr. Michael Pauthner, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Darmkrebszentrums am Sana Klinikum Offenbach,
rät dazu, mutig zu sein und die regelmäßige Frühererkennung von Darmkrebs zu nutzen.  

Darmkrebs ist mit 64.000 Neuerkrankungen und ca. 26.000 Todesfällen pro Jahr einer der häufigsten bösartigen Tumoren in Deutschland. Doch bei kaum einer anderen Krebsart kann jeder sein eigenes Risiko so gut selbst reduzieren: 90 Prozent aller Todesfälle an Darmkrebs könnten vermieden werden. Aus Anlass des „Darmkrebsmonats“ März erläutert  Dr. Michael Pauthner, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Darmkrebszentrums am Sana Klinikum Offenbach, wichtige Aspekte zu Prävention und Therapie der bedrohlichen Krankheit.

Ist Darmkrebs Schicksal?
Pauthner: Das kann man so generell nicht sagen, denn in diesem Fall haben wir unser Schicksal fast immer selbst in der Hand.

Können wir denn schon durch Veränderung unserer Lebensgewohnheiten die Krankheit verhindern?
Gesunde balaststoffreiche Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung zur Vermeidung von Übergewicht und der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum können zwar das Risiko für Darmkrebs senken, ihn aber letztlich nicht verhindern. Gefeit vor Darmkrebs ist niemand.

Wir wären demnach der Krankheit machtlos ausgeliefert?
Das ist nicht richtig, denn jeder von uns kann sein persönliches Risiko günstig beeinflussen. Darmkrebs entsteht nämlich aus gutartigen Vorstufen, den sogenannten Polypen, die sich erst im Laufe der Zeit dann zu einem bösartigen Tumor verändern.

Inwiefern kann man diesen Veränderungsprozess stoppen oder wenigstens beeinflussen?
Durch Darmkrebsfrüherkennung bzw. -vorsorge mittels einer Stuhluntersuchung oder noch besser mit einer Darmspiegelung. Im Zuge einer Darmspiegelung können die Vorstufen der Darmkrebserkrankung – also die Polypen und Adenome - sicher entdeckt und in der Regel noch während der Untersuchung entfernt werden. So kann der Darmkrebs also bereits vor seiner Entstehung geheilt bzw. verhindert werde

Wie unangenehm ist eine solche Darmspiegelung?
Die Untersuchung wird in der Regel unter Sedierung, also mit einer Beruhigungsspritze, vorgenommen und ist damit praktisch schmerzfrei. Der Darm muss allerdings vorher mit einer Spüllösung geleert werden. Das Abführen ist zwar etwas unangenehm, weil man öfter als sonst die Toilette aufsuchen muss, allerdings sind die Vorteile der Darmspiegelung bestechend: mit ihr lässt sich der Darmkrebs mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit verhindern!

Wächst eigentlich das Darmkrebsrisiko mit zunehmendem Alter?
Darmpolypen und Darmkrebs können grundsätzlich in jedem Alter entstehen. Allerdings steigt ab dem 40. Lebensjahr das Risiko für eine Bildung von Darmpolypen deutlich an, so dass ab dem 50. Lebensjahr die Vorsorgekoloskopie empfehlenswert ist. Menschen mit familiärer Vorbelastung haben ein noch viel höheres individuelles Darmkrebsrisiko und sollten deshalb bereits früher eine Darmspiegelung vornehmen lassen.

Welche Rolle spielen Erbfaktoren?
Die erbliche Form von Darmkrebs ist selten, es gibt aber erwiesenermaßen ein familiäres Belastungsrisiko. Deshalb muss man gerade bei Familien mit gehäuften Fällen von Darmkrebs oder auch Tumorerkrankungen in anderen Organen - wie Magen, Dünndarm, Eierstöcken, Gebärmutterschleimhaut oder Nieren - besondere Vorsicht walten lassen. In diesen Fällen sind die Früherkennung und die Betreuung in einem spezialisierten Darmzentrum besonders wichtig.

Wenn Darmkrebs so leicht zu verhindern ist, warum kämpfen Ärzte dann immer noch um die Akzeptanz der Darmspiegelung?
Das ist wirklich sehr schade, weil wir die Erkrankung bei einem Großteil der Patienten heilen bzw. verhindern könnten. Die Hemmschwelle für eine Darmspiegelung ist immer noch groß und das Thema schambehaftet. Außerdem entstehen Beschwerden meistens erst, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist. Interessanterweise stehen Frauen einer Darmspiegelung viel aufgeschlossener gegenüber als Männer. Oft sind es die Partnerinnen und Ehefrauen, die ihre Männer zur Vorsorge drängen. Deshalb mein Appell gerade an die Männer: Gebt euch einen Ruck und meldet euch mutig und freiwillig zur Darmspiegelung an – ihr tut euch selbst und euern Liebsten einen großen Gefallen!

Wann und wo kann ich eine Vorsorge-Darmspiegelung durchführen lassen?
Sie wird in der Regel von den niedergelassenen Fachärzten oder bei besonderen Situationen auch im Viszeralmedizinischen Referenzzentrum des Sana Klinikums Offenbach angeboten. Ab dem 50zigsten Lebensjahr hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Da dies Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms ist, werden die Kosten von den gesetzlichen wie auch von den privaten Krankenkassen übernommen. Ab dem 55zigsten Lebensjahr hat jeder einen Anspruch auf eine Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Bei unauffälligem Ergebnis sollte die Untersuchung alle zehn Jahre, bei verdächtigen Ergebnissen natürlich öfter wiederholt werden.

Sind die guten Erfolgsaussichten einer Darmspiegelung statistisch belegt?
Allerdings, und zwar überdeutlich: seit Einführung der Darmspiegelung ist die Zahl der über 55-Jährigen, die an Darmkrebs erkranken, um 26 Prozent gesunken. Darüber hinaus sind 21 Prozent weniger Patienten an Darmkrebs gestorben, weil man im Rahmen der Darmspiegelung bei ihnen rechtzeitig frühe Krebsstadien erkannt hat, sodass sie definitiv geheilt werden konnten. Aber diese Zahlen sind noch steigerungsfähig.

 

KASTEN: „Darmkrebsmonat“ März

Ziel: Darmkrebs-Vorsorge

·Im Jahr 2019 zum 18. Mal ausgerufen von der Felix Burda Stiftung, der Stiftung LebensBlicke und dem Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.

 

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