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01.03.2019, Offenbach

Neue Methode kommt in Gynäkologie und Bauchchirurgie zum Einsatz

Farbstoff schont Lymphknoten bei Krebsoperationen

ICG markierter pelviner Wächterlymphknoten Lymphknoten (#) im Bereich der Arteria Iliaca externa rechts (*) bei einer Operation eines Zervixkarzinoms im Rahmen des laparaskopischen Lymphknoten Stagings. Die Lymphbahn ist gut als grüner Strang erkennbar.

Bildrechte: Stryker GmbH

Indocyaningrün: ein fluoreszierender, ungiftiger Farbstoff, der ein wenig Farbe in die Gynäkologische Onkologie und Viszeralchirurgie bringt, die Operationsbedingungen in der Tumorchirurgie verbessert und so die Patientensicherheit erhöht.

„Seit Jahren sind wir in der Frauenheilkunde bestrebt, die Radikalität operativer Eingriffe bei der Behandlung von Krebserkrankungen zu reduzieren, ohne damit die onkologische Sicherheit zu gefährden“, betont Professor Dr. Christian Jackisch, Leiter der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und des zertifizierten Brust- und Genitalkrebszentrums am Sana Klinikum Offenbach, wo neben Brustkrebserkrankungen auch komplexe Eierstock- und Gebärmutterkrebserkrankungen sowie Vulvakarzinome interdisziplinär behandelt werden.

Seit der Einführung der Wächterlymphknoten-Technologie in das Behandlungskonzept des Mammakarzinoms gehört die gefürchtete Entfernung von zahlreichen Achsellymphknoten mit der unvermeidlichen Anschwellung des betroffenen Armes weitestgehend der Vergangenheit an. „Bei dieser Technik werden die ersten Lymphknoten, die im Abflussgebiet des jeweiligen Karzinoms liegen, entweder mit einem Farbstoff oder radioaktiv markiert und können somit identifiziert und operativ entfernt werden. Diese Knoten bewachen quasi die dahinterliegenden Lymphknoten und werden daher als „erste Lymphknoten“ bezeichnet. Sind diese Wächterlymphknoten tumorfrei, kann auf die weitere Entfernung von Lymphknoten verzichtet werden. Das ist derzeit bei weit über 60 Prozent unserer Patientinnen der Fall. In der Gynäkologischen Onkologie ist die Wächterlymphknotentechnologie in der operativen Therapie von Gebärmutterhals-Karzinomen oder Endometrium- und Vulvakarzinomen ebenfalls etabliert.

Das Neue am Verfahren: Patientinnen erhalten intraoperativ, also während der Operation, den ungiftigen fluoreszierenden Farbstoff Indocyaningrün (ICG) in die Vene verabreicht, der ursprünglich in den1950-er Jahren für den Einsatz in der Fotografie entwickelt wurde.

Dieser Farbstoff wird bevorzugt intravenös angewandt, kann aber auch in anderer Form direkt in das Gewebe eingebracht werden kann. Er verbindet sich mit dem Bluteiweiß; ist nicht selbstleuchtend, sondern ein Infrarotlaser macht die Verbindung – bei einer Wellenlänge im Nahinfrarotbereich von 803 Nanometer - sichtbar und kann mit einer Spezialkamera auf einem Monitor bei laparaskopischen Operationen, aber auch bei offenen Eingriffen sichtbar gemacht werden. „In der gynäkologischen Onkologie können wir die neue Methode nunmehr unseren Patientinnen mit gynäkologischen Karzinomen anbieten“, so der Leitende Oberarzt Dr. Jens Kosse, der das Gynäkologische Krebszentrum koordiniert, und sich über diese gewebeschonende neue Technik freut, die die operative Sicherheit weiter verbessert. Somit lassen sich bei den minimal-invasiven laparoskopischen Operationen die Wächterlymphknoten einfacher und schneller darstellen, und den Patientinnen wird die nuklearmedizinische Markierung am Vortag erspart.

Neue Einsatzmöglichkeiten auch in der Bauchchirurgie

Neben der Erkennung von Wächterlymphknoten kann das ICG-Verfahren auch zur Beurteilung der Gewebedurchblutung verwendet werden. Die ungestörte Blutversorgung ist gerade bei Magen- und Darmnähten von großer Bedeutung, da sonst Heilungsstörungen und schwerwiegende Komplikationen drohen. Die neue Methode stellt auch kleinste Gefäßstrukturen zuverlässig dar und kann sowohl bei den minimal-invasiven als auch den offenen Operationen angewendet werden. „Durch das ICG-Verfahren können wir gerade in schwierigen Situationen die Durchblutungsverhältnisse sehr sicher beurteilen. Das ist ein großer Vorteil für unsere Patienten“, betont Chefarzt Dr. Michael Pauthner, der die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie leitet. Insbesondere bei komplizierten Tumoroperationen an Speiseröhre und Enddarm sieht er das Verfahren als eine wertvolle Hilfe an, aber auch bei den gemeinsam von Chirurgen und Gynäkologen vorgenommenen großen Eingriffen zur Behandlung von Eierstockkrebs.

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